Erdogan Türkei EU

Es ist schon erstaunlich mit teils welcher Gelassenheit die Staaten der EU den türkischen Staatspräsidenten Erdogan schalten und walten lassen ohne dass Sanktionen (mit Ausnahme von gut-gemeinten Worte den Pfad der Demokratie nicht zu verlassen) erfolgen vom Einfrieren bis zum Abbruch der Beitrittsverhandlungen. Richtig, das EU-Parlament hat eine Resolution dafür beschlossen, auch richtig, dass Angela Merkel sich für das Ende der Gespräche für einen Türkei-Beitritt positioniert hat, jedoch all dies hat keine Signifikanz, müssen doch die EU-Staats- und Regierungschefs darüber Einigkeit erzielen.

Die Nachsicht der Europäer, die (leider) die Türkei als Bollwerk gegen die Flüchtlinge und Pufferregion zum Nahen Osten braucht, ist daher wenig verwunderlich. Man stelle sich nur einmal vor, in Montenegro oder Mazedonien, welche sich ebenfalls auf dem Weg in die EU befinden, würde nur eines der folgenden Sachen machen: massenhaft Menschen ohne Anklage inhaftieren, hunderttausend unliebsame Beamte entlassen, sämtliche freie Medien zerschlagen, die Opposition für vogelfrei erklären, über die Wiedereinführung der Todesstrafe diskutieren und Krieg im eigenen Land gegen eine ethnische Minderheit führen. Wenn auch nur einer dieser Tatbestände in jedem anderen potenziellen Beitrittsland zutreffen würde, gebe es am nächsten Tag keine Beitrittsgespräche mehr. Im Gegenteil, die EU + NATO würden wohl über Planungen sitzen wie man der armen Bevölkerung helfen könnte, solch einem diktatorisches Vorgehen des Staats- und oder Regierungschef Einhalt zu gebieten.

Allerdings sind manche Bürgerrechtsverletzungen OK, wenn man auch so ein kleines Land wie Mazedonien (zur Schließung der Balkan-Route) braucht und sich die dortige Regierung mit eher fragwürdigen und korrupten Mitteln an der Macht hält. Allerdings trauen sich die dort Herrschenden nicht den Bogen zu überspannen und Erdogan nachzueifern, eben weil sie wissen Mazedonien = klein und die Türkei = groß. Der Maßstab ist ein anderer. Erdogans Türkei kann sich, zumindest noch, ungehindert zu einem neuen Osmanischen Reich entwickeln, dass wie manche türkische Nationalisten (darunter auch Erdogan) ersehen, nach Nordsyrien und zu einigen griechischen Insel schielt. Dass türkische Truppen bereits auf nordsyrischem Boden stehen und von dort nicht so schnell wieder abziehen, dürfte allen Seiten klar sein. Wer weiß was die Zukunft bringt. Hoffen wir, dass der Sultan am Bosporus sich wenigstens einen gewissen Realitätssinn bewahrt.

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