Wie wähle ich dir richtige ParteiOb Bundestagswahl, Europawahl, Wahlen zu den Landtagen, Kreis- oder Gemeinderäten – ständig wird der Bürger an die Wahlurne gerufen. Viele von uns fragen sich dann: Was ist die richtige Partei für mich? Welche Partei hat mein Vertrauen dieses Mal verdient oder soll ich meine letzte Wahlentscheidung beibehalten bzw. ändern.

Die Zeiten sind vorbei, in denen es festgefügte Wählermilieus gab, Arbeiter und Städter die SPD und Protestanten und Landbevölkerung treu CDU/CSU gewählt haben, sind schon längst vorbei. Auch die Logik, die richtige Partei in meinem Lager (links: SPD, Grüne, Linke bzw. rechts: CDU, CSU, FDP) zu wählen hat mittlerweile ausgedient. Das Zeitalter des Populismus mit dem Aufstieg der AfD in Deutschland lässt die klassischen Lagergrenzen obsolet werden. Es ist wieder möglich sozialistisch und nationalistisch zu sein oder auch -liberal-konservativ und internationalistisch.

Die Programmunterschiede zwischen den Parteien in Zeiten der Globalisierung und der pragmatischen Politikgestaltung lassen so manchen Wähler verzweifeln. Die Frage nach der richtigen Partei für den Mann oder die Frau ist schwerer denn nie zu beantworten. Einige wenige, und hoffentlich hilfreiche, Ansatzpunkte möchte ich dennoch beschreiben.

Wie bin ich selbst politisch zu verorten?

Bevor man die richtige Partei wählen kann, muss jeder sich erst einmal über seine eigenen politischen Standpunkte klar werden. Dies kann schwierig sein, wenn ich nicht bereits täglich über politische Sachfragen kritisch nachdenke. Zum Glück gibt es dafür gute Hilfetools im Netz, z.B. der Political Compass, der sich in der einen oder anderen Form im Netz finden lässt. Sie beantworten i.d.R. einige Dutzend Fragen zu bestimmten Einstellungen und Themen. Die Statistik im Hintergrund ordnet sie dann auf einem politischen Spektrum ein. So erfahren Sie ob Sie ökonomisch eher links oder rechts ticken und in sozialen Fragen tendenziell autoritär oder liberal / libertär denken.

Die größte Schnittmenge mit einer Partei recht!

Oft hört man seine Verwandte und Freunde sagen: „Es gibt keine Partei die meine Meinung voll vertritt.“ Das muss aber auch nicht sein. Die richtige Partei ist die Partei, mit welcher Sie die größte inhaltliche Schnittmenge haben. Um dies zu bestimmten, nutzt man am besten den Wahl-o-Mat. Dieser wird von der Bundeszentrale für politische Bildung zu den meisten Landtagswahlen, der Bundestags- und Europawahl herausgegeben. Das Verfahren läuft so ähnlich ab wie oben beschrieben. Mit der Auswertung erhält man eine prozentuale Übereinstimmung mit den angegebenen Parteien. Sofern Sie nicht taktisch wählen wollen, vertrauen Sie der Partei mit der höchsten Übereinstimmung.

Die richtige Partei verhindert Schlimmeres

Verfolgen Sie regelmäßig die Umfragen und fürchten Sie, dass ein bestimmtes Parteien-Bündnis an die Macht kommt? Die gegenwärtige Regierungspartei soll abgewählt werden und nicht in derselben oder einer anderen Koalition weiterregieren? Dann ist die richtige Partei für den Wähler jene, die dies verhindert oder ermöglicht. Die programmatische Übereinstimmung tritt in den Hintergrund. Ein Beispiel: Wer Angela Merkel nicht als Kanzlerin haben will, muss verhindern, dass die CDU/CSU entweder nicht mehr stärkste Kraft wird bzw. mit einem Koalitionspartner weiterregieren kann. Dahingehend ist es ratsam weder SPD, Grünen, FDP sein Kreuz zu geben, sondern der Linken oder der AfD. Letztere werden mit Sicherheit niemals Angela Merkel unterstützen.

Protestwahl ja – aber mit Verantwortung

Möchten Sie ein Ausrufezeichen oder einen Hilfeschrein senden? Die Wahl einer Protestpartei ist durchaus eine demokratische Option. Jedoch ist zu beachten, dass die Wählerstimme dieser Partei nicht nur Parlamentsmandate verschaffen kann, sondern auch viel Geld und Einfluss. Am Ende könnten Gesetze dabei herauskommen oder verhindert werden, die gegen Ihre Interessen gerichtet sein könnten. Die richtige Partei zum Ausdruck von Protest sollte daher immer demokratisch sein. Wie erkennen Sie das? Wenn Partei X von sich behauptet die ‚wahre‘ Stimme des des Volkes zu sein und alle anderen gehören zum System oder dem Establishment, definitiv nicht demokratisch. Wer anderen die Würde und den Respekt abspricht, bewegt sich außerhalb des demokratischen Konsens.

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